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09. August 2018:

Durchschnaufen

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Sonne...FL

„Geh mir aus der Sonne..." sagte einst der griechische Philosoph Diogenes zu König Alexander dem Großen, als der ihn fragte, was er ihm Gutes tun könne. So bescheiden können die Wünsche eines Mannes sein, der bekanntlich allein in einer Tonne wohnte.

Viele von uns freuen sich jetzt auf die Ferienwochen. Ähnlich wie bei Diogenes ist der größte Wunsch, irgendwo ganz einfach Ruhe zu haben und die Sonne ungehindert auf die Haut scheinen zu lassen.
Diogenes hatte es gut. Er lebte im sonnenverwöhnten Griechenland und an besagtem Tag trennte ihn vom Sonnenschein „nur" ein König. Der konnte dann tatsächlich einen Schritt zur Seite gehen.
Für uns ist das schon schwieriger: Wir müssen oft lange Anfahrtsstrecken oder Flugreisen in Kauf nehmen. Doch selbst wenn wir dort sind, trennen uns manche Hindernisse vom ungestörten Liegen in der Sonne: Nörgelnde Kleinkinder, die es im
Urlaub zu beschäftigen gilt, erlebnishungrige Teenager, die ihr Ferienprogramm haben wollen, plötzlich auftretende Konflikte in der Ehe oder der Familie...
 
Viele von uns kommen erst gar nicht so weit, dass sie Urlaub in fernen Gefilden genießen können: Urlaubssperre im Betrieb, kranke oder pflegebedürftige Angehörige, Ebbe in der Urlaubskasse
... Und doch brauchen wir immer wieder Pausen von den Alltagsbelastungen.
Das Wort „Pause“ ist übrigens auch griechisch: „pauo“ aktiv für „aufhören, unterbrechen“, oder passiv „pauomai“ für „frei sein“. - Doch wann sind wir denn richtig frei?
Manchmal fühlen wir uns wie Diogenes, aber nicht freiwillig, sondern eingesperrt in einer engen Tonne, und so manche Zwänge versperren den Blick zur Sonne. Gerne würden wir liegen vor unsrer Tonne und rufen „Geh mir aus der Sonne"...
Gott hat uns Menschen als freie Lebewesen geschaffen. Gott will, dass wir frei sind und frei atmen können. Er will auch, dass wir Atempausen haben und uns Zeiten zum erholsamen Luftholen nehmen.
Es ist ein Geschenk Gottes, wenn wir leben, es ist - und das müssen wir uns immer wieder bewusst machen - auch ein Geschenk, wenn wir freie Zeit haben.
Es muss kein dreiwöchiger Luxusurlaub am Strand sein. Wer ihn hat, es sei ihm gegönnt. Manchen von uns sind vielleicht nur wenige Tage Urlaub möglich, oder auch nur einige Stunden, in denen wir einmal richtig durch schnaufen können. Atemholen für die Seele ist so ungeheuer wichtig für unser Leben.
 
Nehmen wir uns in der vor uns liegenden Zeit doch immer wieder Verschnaufpausen, ganz bewusst und dankbar.
Ich wünsche Ihnen den notwendigen, ja Not wendenden Freiraum und die Luft zum Atmen, dass es Ihnen gelingt einmal richtig tief durch zu schnaufen.
 
Bei: Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde, Marktheidenfeld

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