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26. März 2020:

Fastenzeit

Gedanken am Jahresanfang

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Sonnenaufgang © FL

Genuss durch Verzicht
Wissen Sie noch…? Seit Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen, jene 7 Wochen, die zur Vorbereitung auf das Osterfest dienen. Der christliche Glaube beider Konfessionen hält daran fest, im Jahresrhythmus Akzente zu setzen.

Die aktuelle Krise jedoch lenkt uns ab, reißt uns ein wenig aus dem Alltagsrythmus. Wir ahnen, dass es noch schlimmer kommen könnte. So beginnen wir zu hamstern statt zu sparen, sorgen uns um den Toilettenpapierbestand und den abgesagten Frisörtermin.  Wir nehmen den unfreiwilligen Verzicht als  Verlust von Lebensqualität wahr. Aber das stimmt nicht. Ich vergleiche gerne das Leben mit einem Gemälde aus vielen Farbtönen. Helle, freundliche Farben kommen auf die Leinwand unseres Lebens genauso wie dunkle, traurige Flecken. Sanfte Farbtöne mischen sich mit grellen. In der Kunst gilt es, die Farben gut zu dosieren, abzuwechseln, aufeinander zu beziehen, erst dann entsteht ein eindrucksvolles und spannendes Bild.

So verlangt auch die Kunst des Lebens einen wohldosierten Umgang mit den Freuden der materiellen Güter und den unterschiedlichen Empfindungen und Stimmungen. Ich habe einmal den denkwürdigen Satz gelesen: „Es gibt eine untergründige Verwandtschaft zwischen Genügsamkeit und Genuss”.
Tatsächlich kann man etwas Schönes eigentlich nur aus dem Kontrast heraus bewusst erleben.
So gibt es derzeit eine unglaublich motivierende Welle der Hilfsbereitschaft. Menschen, die Verzicht üben, um anderen Menschen zu helfen. Der Pizzabäcker, der seine Speise denen überlässt, die jetzt besonders gefordert sind. Menschen, die nicht für sich, sondern für andere einkaufen, die das selbst nicht können. Und zahllose weitere Beispiele des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Was könnte besser in diese Zeit passen als die Nächstenliebe?

Durch die aktuellen Ereignisse spüren wir den Kontrast zwischen Verzicht und Genuß wieder sehr bewusst und erleben die Zeit viel intensiver. Vielleicht stellt sich jetzt auch eine neue Dankbarkeit darüber ein, dass Gott uns täglich Leben und die Mittel zum Leben schenkt…
Doch es kommt noch besser:
 „Seid fröhlich in der Hoffnung“ so ermutigt der Apostel Paulus die Christen im Römerbrief Kap. 12,12. Doch wie soll ich das machen, das kann man doch nicht befehlen?!?: „Komm sei jetzt fröhlich!“ - Nein, das kann man nicht anordnen, das kann man sich nur erschließen, bewusst machen, im Herzen bewegen, wirken lassen… -
Das Wort „Hoffnung“ stammt aus dem mittelniederdeutschen Wort „hopen“. Das kennen wir ja auch aus dem Englischen: „hope“ für Hoffnung. Und „hopen“ ist verwandt mit „hüpfen“. - Wenn wir also jemandem zurufen: „Hop hop, auf geht’s!“, dann ist das genau das: „Hop, hüpf los, trau Dich, mach schnell“.

In diesem Sinne ist HOFFNUNG – HOP HOP und HOPE eine Bewegung: Im Lexikon steht: „Hoffnung“ heißt ursprünglich: „Vor Erwartung zappeln, aufgeregt hin und her hüpfen“. Wenn der Apostel Paulus die Gemeinde - und gerade die junge Gemeinde - dazu ermutigt:
„Seid fröhlich in der Hoffnung“, dann meint er, dass so mancher Freudensprung einem Christen eigentlich gut anstehen würde, denn wir Christen haben allen Grund zur Freude und damit auch allen Grund zur Fröhlichkeit.

Angesichts der aktuellen Krise ist es für manchen schwer und da mischen sich dann traurige und verzagte Tone ins Gemüt. Hoffnung ist manchmal da und manchmal weg. 
Das weiß der Apostel Paulus auch. Er hat Leid, Schmerzen und Trübsal am eigenen Leib erleben müssen. Er kennt das. Und darum sagt Paulus: Habt Geduld, betet und bewegt den Glauben. Die Hoffnung, die wir als Christen haben dürfen, ist verbunden mit der Botschaft, dass Gott durch Jesus Christus uns Menschen nahe kommt, dass ER uns bedingungslos liebt und uns retten will. Das heißt: Unsere Hoffnung ist nicht grundlos oder unbegründet, - in der Bibel steht’s. - Und diese Hoffnung lässt uns Christen hopen, hüpfen, Luftsprünge machen…

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