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13. November 2018:

Mitten drin

Gedanken im Spätherbst

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Wohin führt der Weg, © FL


 Ob es klappt mit dem Ausbildungsplatz, der Arbeitsstelle? Alles offen. Und ob die in Berlin mal endlich auf die Reihe kriegen, wozu sie gewählt worden sind? Keine Ahnung.
Für solche Verlegenheiten, haben die Badener und Badenerinnen ja eine feine Redewendung, die mich immer neu fasziniert, wenn ich sie höre: Wird’s was mit dem und der oder diesem und jenem? „Ha, do stecksch net drin!“. Toll, was? Da steckst du nicht drin. Dieser kluge Satz gibt ein ganzes Lebensgefühl wieder; denn so kann sich das Leben anfühlen, so: dass ich gar nicht drin und dabei bin, dass es an mir vorüberzieht und ich schaue nur zu, die Entscheidungen über Wohl und Wehe werden anderswo getroffen, mein Schicksal liegt nicht in meiner Hand.
Was das Wetter angeht, mag das ja noch in Ordnung sein, da lass ich mich gerne mal überraschen, aber bei den elementaren Fragen: Was gibt meinem Dasein Sinn? Wie bekomme ich Frieden? Was tröstet mich? – da nicht drin zu stecken ist alles andere als hilfreich.
Aber gemach! Der urbadische Satz „Do stecksch net drin!“ sagt ja nicht, dass nichts und niemand drinsteckt. Er lässt offen, wer da sonst seine Hand im Spiel hat. Das finde ich sehr tröstlich, weil ich glaube: Gott steckt drin. Ganz ähnlich ruhig, quasi auf die badische Art, sagt Jesus einmal: „Fürchtet euch nicht, kein Spatz fällt vom Dach ohne euren Vater – und er zählt eure Haare auf dem Haupt!“ Gott ist dabei, und nichts geschieht ohne ihn, er steckt drin, in allem, was uns bewegt, was uns zustößt, was uns anstößt und beglückt.
Zugegeben, das wift auch Fragen auf: Will Gott das, wenn es mir nicht gut geht? Warum steckt er bloß drin und handelt nicht, damit Frieden werde in der Welt und in meinem Herzen? Das sind ernste Fragen – das gute Aber: Sie haben eine Adresse. Wenn Gott drinsteckt, dann kann ich ihn auch ansprechen, zur Verantwortung ziehen, anfragen und anklagen.
Und gibt er dann auch Antwort? „Ha, do stecksch net drin!“, oder doch? Doch, Gott nimmt uns mit hinein, in seine Lebendigkeit, seine Weite und Tiefe. Da sind wir zuhaus, mitten drin!


Thomas Weiß
Evang. Pfarrer
Luthergemeinde Baden-Baden

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