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27. Mai 2018:

Früchte

Gedanken von Pfarrer Thomas Weiß, Luthergemeinde Baden-Baden

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Rot©FL


Aber frisch müssen sie sein, gepflückt nach einem hellen, warmen Sonnentag; dann sind sie köstlich, dann zergehen sie auf der Zunge, dann sind sie süß, ein runder, voller Geschmack, ein klein wenig herb dabei – unvergleichlich: Erdbeeren!
Erdbeeren – gibt es ja schon im Februar, die schmecken nach Stroh und wie angemalt.
Nein, Erdbeeren, die ihren Namen verdienen, sind das nicht.
Die kauft der Kenner jetzt und vorzugsweise auf dem Markt, oder die Kennerin macht sich auf „zum Selberpflücken“ und sammelt in Körbe.
„Die ihren Namen verdienen“ – so zwischen zwei Erdbeeren, beim Anrühren des Erdbeermilchshakes und in den Vorbereitungen zum Erdbeermarmeladekochen (au, den Erdbeer-Kuchen darf ich nicht vergessen!) macht mich dieser Satz etwas nachdenklich.
Verdien ich meinen Namen eigentlich?
Ich mein jetzt nicht: „Weiß“ oder „Thomas“, sondern: „Christ“. Die Christinnen und Christen heißen so, weil sie sich nach Christus nennen, nach dem, der sich zu den Menschen gesellt, dem Gott, der nicht für sich bleibt, der einer von uns geworden ist, ein Menschenfreund, ein Menschenliebhaber.
Trag ich dessen Namen zurecht – oder schmeckt, was ich zum Besten gebe, bloß nach Stroh, und ist, was ich tu und lasse, doch bloß übertüncht, mit freundlich-christlichem Anstrich?
Am Ende ist’s aber bloß Unfug, wie Erdbeeren im Februar?
Für Erdbeeren gibt es die Geschmacksprobe: reinbeißen, munden lassen – oder auch nicht.
Für Menschen, die sich von Gott her verstehen (ob Christen, Juden oder Muslime) gibt’s zumindest Hinweise.
„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“ sagt Jesus einmal, nicht ohne Ernst in der Stimme.
Frag ich mich also: Ist mein Leben fruchtbar, köstlich, dunkelrot von Liebe? Achte ich meine Nächsten, wie Gott sie achtet, trete ich ein für sie, wenn jemand Menschen verachtet? Handle ich so, dass mein Handeln gedeihlich ist, lasse ich das, was schadet, was Menschen verletzt? Ganz schön herausfordernd!
Nehm ich diese Fragen ernst, werde ich ab und zu versagen daran – macht aber nichts.
Gott verlangt die Früchte nicht, er macht uns frei dafür; wie bei der Erdbeere: Die ist rot und süß und eine Pracht, weil Gott sie so geschaffen hat.
Uns auch: zu Liebenden, die sorgsam und achtsam mit anderen zusammenleben.
Können wir sein!
Was hindert’s?

Thomas Weiß
Evang. Pfarrer
Luthergemeinde Baden-Baden

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