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01. März 2018:

Keine Lust?

Gedanken von Pfarrer Thomas Weiß, Luthergemeinde Baden-Baden

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Keine Lust©FL

Ach nee, nicht schon wieder!
Muss das denn immer sein, alle vier Wochen?
Jetzt ist es draußen knackig kalt, die Sonne glänzt, der Himmel ist stahlblau, wie er das nur um Winter ist – ich will raus, ein paar Schritte gehen oder ein paar mehr, den Tag genießen!
Und jetzt soll ich einen „Gedanken zum Sonntag“ schreiben … Ach nee, ich hab keine Lust.

Kommt immer mal wieder vor, dass ich keine Lust habe.
Ich habe selten Lust, das Auto zu pflegen, zum Rasenmähen hab ich grundsätzlich keine Lust, der Lustfaktor so mancher Gremiensitzung bleibt mir meist verborgen. Keine Lust!
Wenn das meine Söhne sagen, weil’s ans Zimmer-Aufräumen geht, wenn ich von einem Kollegen Hilfe bräuchte und er mir deutlich signalisiert, dass er dazu nun gerade keine Lust hat – dann kann ich sauer werden.
Mir selber gesteh ich die Lustlosigkeit in der Regel eher zu …

Die Lust aber auch:
Lust an mal lauter, mal leiser Musik und an einem guten Buch, Lust auf das (alkoholfreie) Abendbier, Lust am Lachen, am Scherzen, an innigen Momenten und auf Rosenduft und Erdbeeren, auf Freundschaft, Gespräche, und auf Leichtsinn, Blödsinn, Unsinn auch.

Aber ach, ich höre die Kritiker:
„Nun mach mal halblang, Thomas Weiß! Lust – das zwielichtige Wort gehört ja wohl nicht in den religiösen Wortschatz.
Lust – als „luxuria“ steht sie in der Liste der sieben Todsünden, Lust öffnet der Versuchung Tür und Tor, Lust ist leichtfertig.“

Weit gefehlt, ihr Kostverächter, ihr Sauertöpfe!
Gott selbst hat Lust: „Gott führt mich hinaus ins Weite, Gott reißt mich heraus, denn er hat Lust zu mir.“ – freut sich der alte David im 18. Psalm.
Wenn Gott Lust hat, hat das mit seiner Liebe zu tun, mit der er uns leidenschaftlich sucht;
wenn Gott Lust hat, sehnt er sich nach unserer Nähe;
wenn Gott Lust hat, nimmt er viel auf sich (ein Menschenleben, ein Kreuz) um bei uns zu sein.
Wenn Gott Lust hat … dürfen wir das auch!
„Hab deine Lust an Gott!“ – rät David in einem anderen Psalm, an Gott – und Rest seiner Welt bestimmt auch.

Und was mach ich jetzt mit meinem „Gedanken zum Sonntag“?
Ach, sehen Sie, jetzt hat er sich ganz von allein geschrieben! Lustig!

Thomas Weiß
Evang. Pfarrer
Luthergemeinde Baden-Baden

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