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01. Februar 2018:

Im Auge des Betrachters

Gedanken von Pfarrer Thomas Weiß, Luthergemeinde Baden-Baden

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Auge des Betrachters©FL



Abgesehen davon, dass ich keiner Partei und keinem Karnevalsclub angehöre, dass ich nie irgendwo kandidiert habe und keiner mich nominiert hat – der wahre Grund ist:
Ich bin einfach nicht schön genug!
Es fehlt der rechte Body-Mass-Index, das Sexappeal, die hippe Frisur (wenigstens beim Barbier bin ich schon gewesen!).
Es war ja dieser Tage zu lesen: Die Schönen haben mehr Chancen bei Wählerinnen und Wählern.

Ein bisschen überraschend ist das schon.
Unbestritten muss die Schönheit im Auge des Betrachters liegen, nur so lässt sich erklären, dass so manche Gestalt mit recht hässlichen Ansichten ihren Weg in den Bundestag gefunden hat.
„Schönheit“ ist doch wohl ein bisweilen oberflächliches Konzept!
Findet Gott auch – jedenfalls zuerst. Denn es sind ja nicht die Reichen und Schönen, die ganz oben auf seiner Rangliste stehen, eher die Schwachen und Missachteten, vor denen andere die Nase rümpfen, die in der Fitness- und Beauty-Welt keine Rolle spielen, oder bestenfalls als Lachnummern.
Gott wählt sich die zu Freunden, die den Schönheitsidealen nicht entsprechen.

Ich finde das ausgesprochen tröstlich, da hab ich doch eine echte Chance gewählt zu werden (als Obmann im Engelschor dereinst, oder als Oberparadiesapfelpflücker vielleicht?).
Aber: In Wahrheit führt Gott gar keine Liste, setzt er keine Schönheitsrangordnungen.
Nein, er wählt frank und frei und ohne, dass der oder die Erwählte dafür etwas tun könnte.
Stylen und Schminken, Shaping und Saunen helfen nichts, damit Gott seine Wahl trifft.
Die trifft er aus Liebe, und weil er umfassend liebt, sind wir Menschen ganz umfassend sein erste Wahl!

Darum gilt: Nicht der Mensch ist geliebt, der schön ist, sondern der ist schön, der geliebt wird.
Liebe macht anmutig, bezaubernd, hinreißend. Gott sieht das so – und Gott sieht uns an.
Da liegt die Liebe in den Augen Betrachters, und unter diesem Blick entfaltet sich unsere je eigene Schönheit, dass es eine Lust ist!

Thomas Weiß
Evang. Pfarrer
Luthergemeinde Baden-Baden

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